Never Stop Exploring Shanghai

Abenteuer China

29November
2015

Japan - 3 Stunden Flug und eine andere Welt

Eins vorweg: Es war die beste Entscheidung noch nach Japan zu fahren. Selten hat mich ein Land in so kurzer Zeit begeistert, fasziniert und gleichzeitig auch überfordert wie Japan…
 
Ich bin am Donnerstag um 1 a.m. in Osaka heile gelandet. Der Flug mit Spring Airlines war dem Preis entsprechend in Ordnung. Allerdings braucht man den Flug nicht zum Ausruhen mit in seiner Reiseplanung berücksichtigen. Ich glaube ich habe auf der gesamten Strecke insgesamt 20 Minuten während des Starts geschlafen, danach gab es 2.5 Stunden schreiende Chinesen durch die Lautsprecher, die einem irgendeinen Krimskrams und Müll andrehen wollten. Zu meinem Erstaunen lassen die Chinesen sich ihre Kauflaune auch nicht im Flugzeug verderben und langen volles Rohr zu. Wenn man 2.5 Stunden chinesische Vollbeschallung auf Equalizer-Stufe +10 hinter sich hat, ist man um so glücklicher endlich gelandet zu sein.
Am Flughafen angekommen gab es schon die ersten Überraschungen: Es war unglaublich sauber, der Personal sehr zuvorkommend und…teuer! Frei nach chinesischer Manier wollte ich mir ein Taxi vom Flughafen zum Hostel genehmigen. Bei der Frage was mich der Spaß den Kosten würde musste ich zweimal nachfragen: 40.000 Yen…mein Handy hat mir dann bestätigt, dass das eine dumme Idee war: 320 Euro. Gut, also den Nachtbus genommen. Für 12,4 Euro noch vertretbar, aber Wucher im Vergleich zu China. 
Im Hostel angekommen hat alles reibungslos geklappt. Natürlich wurde ich erst einmal gelyncht, als ich mit meinen Straßenschuhen ins Hostel gestürmt bin. Mit riesigen Augen, fuchtelnden Fingerbewegungen auf meine Schuhe und den Worten “Japanese-Style” habe ich es dann auch übermüdet verstanden, als ich mich umgedreht hatte und ich halb anwesend an einem Berg Schuhe vorbei gerannt bin…zu meiner Verteidigung: Es war auch schon halb vier morgens.
Die erste Nacht “Japanese-Style” war sehr angenehm, wenn auch kurz. Das Hostel war top und für den Preis auch echt unschlagbar. Die Toiletten mit Heizung (man denkt, man hätte den Kollegen vor einem gerade runter geschupst) und Fernbedienung sind ein wenig gewöhnungsbedürftig, im Vergleich zu der obligatorischen Rinne in China jedoch um Welten angenehmer.
Mein erster Tag war dann ein wenig verregnet, aber super intensiv. Im Vergleich zu den Chinesen können die Japaner Straßen bauen, an denen sich auch wir Deutsche noch was abschauen können. Regnet es in China, braucht man Gummistiefel! Der Straßenbau ist eine Katastrophe. Es ist nichts eben, überall riesige Pfützen, das Wasser läuft aus Prinzip nicht ab und alles mit gelegten Bodenplatten ist ein Minenfeld mit lockeren Steinen…erwischt man einen falschen, krabbelt einem die Suppe direkt mit einem geschmeidigen "Klatsch" das Bein hoch. 
In Japan kann man im Vergleich einen Tag bei Regen durch die Straße rennen, ohne schuhtechnisch in irgendwelche Tiefen abgetaucht zu sein. 
Ich habe den ersten Tag dazu genutzt, mir einen kleinen Überblick über Osaka und den Hotspots zu verschaffen. Allgemein ist es immer gut die erste Nacht im Hostel zu verbringen und sich morgens erst einmal jemanden vor Ort zu schnappen und sich zu informieren. Internet schön und gut, aber die Locals haben meistens einfach die besseren und “preisfreundlichen” Tipps.
Schon am ersten Tag hat mich Osaka mit seiner Größe und Menschenmassen ein wenig erschlagen. Im Vergleich dazu ist Shanghai wirklich eine Spielwiese. Ich stand ein paar Mal planlos in irgendwelchen Straßenzügen und hatte keinen blassen Schimmer wo ich war. Zum Glück konnte mir dann auch noch das Handy helfen…Anders sieht der Spaß aber in den U-Bahn Stationen aus. So aufgeschmissen, wie ich mich dort jedes Mal gefühlt habe, war ich selten:D Da kann einem ohne Empfang dann auch das Handy nicht weiter helfen und so kann es das ein oder andere Mal schon mal passieren, dass man sich auf den drei bis vier Ebenen verläuft oder an irgendeiner Ecke wieder ans Tageslicht kommt, die das Ziel um mehrere hundert Meter verfehlt. In Shanghai sind die Stationen eigentlich selbsterklärend und mit so etwas komplexen hatte ich auch um ehrlich zu sein nicht gerechnet.
Allgemein macht es aber auch ziemlich Laune. Da bekommt das Wort Großstadtdschungel erst eine ganz andere Bedeutung und das hier zu beschreiben würde nicht klappen. Das muss man einfach selbst erlebt haben. Osaka an sich ist jedoch der Hammer! Die Stadt ist der Wahnsinn und man kann sich unzählig viele Sachen anschauen.
Am Samstag ging es für mich dann noch weiter nach Kyoto und auch hier bin ich aus dem Staunen nicht mehr raus gekommen. Die Zeitpunkt war eigentlich perfekt. Im Herbst fängt das Laub der Ahorn Bäume an rot zu werden und die sind über den gesamten historischen Bereich der Stadt mit den alten Tempeln verteilt. Wie die Japaner ihre Tempel gebaut haben und wie riesig diese sind ist schon unglaublich. Der alte Stadtteil hat mich dabei von seiner Art her ein wenig an Lijiang erinnert. Abends ist dort aktuell auch eine Art Lichterfest, welches ich jedoch leider nicht mehr mitbekommen habe. Mir haben einfach zu sehr die Füße gequalmt, als das ich auch nur noch einen Funken Motivation verspürt hätte:D Die 4 Tage waren mit knapp 100 km Marschweg schon wieder ein wenig grenzwertig, aber wenn man läuft sieht man einfach wesentlich mehr, als wenn man durch irgendwelche U-Bahn Stationen irrt;)
 
Abschließend war der Trip nach Japan top! Ich kann es nur jedem empfehlen einmal den doch krassen Unterschied zwischen Japan und China zu erleben. Ich kann mich mit den Japanern wesentlich besser identifizieren, als mit den Chinesen. Angefangen beim Esse und Sauberkeit, über die Freundlichkeit bis hin zur Genauigkeit hat es mich wirklich fasziniert. Hinzu kommt, dass den Japaner ein wirklich stilbewusstes Volk sind. Von jung bis alt sind die meisten Leute durchgestylt und man kommt sich chronisch underdressed vor:D
Wenn ich noch einmal die Chance hätte, könnte ich mir im Nachhinein ein Auslandssemester in Japan sogar besser vorstellen, als in China…Einziger Wermutstropfen: Es ist wirklich teuer und mit 300 Euro im Monat als Stipendium kommt man in Japan definitiv nicht über die Runden!
 
Ich sitze nun bereits wieder am Flughafen in Osaka und habe hier eine mehr oder weniger erholsame Nacht verbracht (Dem Putztypen auf seinem fahrenden Putzwagen sein dank…alle 15 Minuten ist der an meiner Bank vorbei geheizt und hat den Boden nicht gewischt, sondern gefühlt poliert). Die Umeda und Namba-Stations hatten mich zum Abschied noch einmal ein wenig gefordert und nun geht es gleich weiter nach Hong Kong. Mal schauen, was mich dort erwartet:)
 
Meine Unterkunft in Osaka Osaka Osaka Downtown Autumn in Osaka Autumn time Osaka castle Temple in Osaka 2.6 km Shoppingvergnügen... Osaka old town  
Nach Feierabend in Japan einkaufen zu wollen ist eine blöde IdeeLeuchtreklame so weit das Auge reichtGeisha in Kyoto Sicht auf Kyoto Temple in Kyoto Traditionelle Hochzeit in Kyoto Ein unglaublicher Herbsttag Osaka Downtown