Never Stop Exploring Shanghai

Abenteuer China

10November
2015

Halbzeit

Als ich diese Woche in meinen Kalender geschaut habe, habe ich mit Erschrecken festgestellt, dass bereits die Hälfte meiner Zeit in China vorüber ist. Ich bin nun bereits seit August im Reich der Mitte und Anfang kommenden Jahres geht es dann schon wieder zurück in die Heimat. Die Zeit vergeht im Moment einfach wie im Flug!

Da nun auch schon der letzte Eintrag hier einige Zeit zurückliegt, habe ich mir gedacht, dass es der richtige Zeitpunkt ist, um euch einmal von meinem Alltag in China zu berichten:

Den Alltag in China kann man eigentlich nicht "Alltag" nennen. Irgendwie ist jeder Tag anders. Es gibt einfach zu viele Sachen, die man immer noch neu entdeckt und an manche chinesischen "Gewohnheiten" kann man sich wirklich nur schwer gewöhnen. Ganz spontan fällt mir da das Spucken, Essgewohnheiten, das Essen an sich und gefühlt nicht vorhandene Verkehrsregeln ein. 

Kommt man in China an, so fällt einem relativ auf, dass die meisten Chinesen einen Drang dazu verspüren, sich von "Dreck und Schlacke" zu befreien. Das ganze kündigt sich dann durch einen tiefgründiges Hochziehen von "Spucke" aus dem Rachenraum an (in Deutschland würde man dem Kollegen mit Verdacht auf gefährliche Bronchitis direkt ins Krankenhaus schicken) und endet mit dem Ausspucken von irgendwelchem Schleim. Das ganze findet dann auch nicht nur an der frischen Luft statt, sondern überall und damit meine ich wirklich überall… Selbstverständlich machen das nicht alle Chinesen und angeblich hat sich das auch schon im Vergleich zu früher verbessert. Es fällt einem dennoch direkt auf, wenn man in China ankommt und mir war das zuvor so nicht bewusst…und ein wenig verstörend wird die ganze Sache dann, wenn man hinter einer jungen Chinesin mit guter Figur steht und man durch ein kräftiges NRRRRRRRRR…PFFFSCHH wieder zurück in der Realität ankommt. 

Das Gleiche gilt dann auch für das Essen hier an der Tongji University. Erst einmal sind die Essenszeiten anders als in Deutschland. Beim Frühstück ist der Unterschied von den Zeiten her noch nicht so gravierend. Mittagessen gibt es dann aber bereits ab 10:30 Uhr bis kurz nach 12:00 Uhr. Das ist dann am Anfang schon ein wenig gewöhnungsbedürftig, da man schon so spätestens um 11:30 Uhr an der Mensa auftauchen sollte um noch was Vernünftiges und keine Reste zu bekommen oder mit gefühlt hunderten von Chinesen gleichzeitig in Richtung Essen strömt, welches dann meist mit einem liebevollen "Klatsch" auf dem Tablett landet…Massenabfertigung halt. 

Alles hab so schlimm, wenn man beim Abendessen nicht schon um 18:00 Uhr vergeblich nach Essen in der Mensa suchen muss! Das Abendessen gibt es hier verdammt früh! Gutes Essen ist meistens um 17:30 Uhr schon weg. Nur zu der Uhrzeit hat man meistens einfach noch keinen Hunger. Ausweichmöglichkeiten gibt es zwar rund um den Campus genug, aber die sind meistens teurer. Aber auch die Uhrzeiten kann man verkraften und sich darauf einstellen. 

Womit ich jedoch die meisten Probleme habe ist, wie die meisten Chinesen ihr Essen "delicious" machen! Öl…und davon reichlich! Man kann es sich eigentlich nicht so wirklich vorstellen, aber das meiste Essen schwimmt hier einfach nur in Öl, sodass es entweder stehen bleibt oder das überschüssige Öl erst einmal abgeschüttet wird. In der Mensa fällt es extrem auf, da man schön in die Essenbehälter hineinschauen kann und direkt weiss, was Phase ist. Das das Essen hier sehr ölig ist gilt nicht nur für die Mensa an sich. Auch beim Streetfood und in manchen Restaurants wird der "Geschmacksträger" gerne im Überschuss genutzt. Geht man an so mancher Küche vorbei und schmeisst man dort mal einen Blick rein, dann weiss man auch wo das restliche Öl so hinkommt. Selbstverständlich gilt auch das nicht pauschal. Allgemein ist chinesische Essen wirklich lecker und man hat super viele Gerichte zur Auswahl, wie man aus Deutschland so nicht kennt. Es kommt halt wie so immer darauf an, wo man essen geht...die Mensa ist da aber definitiv kein Geheimtipp:P

Neben Öl spielen dann in China auch noch die guten alten Glutamate eine große Rolle, um "delicious" Food zu zaubern. In Restaurants kann ich es nicht beurteilen (manchmal wird man jedoch gefragt) aber beim Streetfood gibt es in die Nudeln immer eine gute Kelle davon… von daher gehört das auch eher selten auf unsere Speiseliste, ist aber gerade Abends noch immer ein super Snack, falls einen der kleine Hunger plagt. Allgemein ist das auch wirklich kein schlechtes Essen und man bekommt auch keine Magenprobleme davon! Wir essen es sogar auch recht gerne, man sollte es halt nur nicht übertreiben damit. (Tipp: Die mobilen Küchen stehen immer um den Zhangwu-Campus so ab 21.00 Uhr)

Zudem kursieren ja immer wieder so manche Gerüchte über chinesische Essgewohnheiten. Um es einfach mal auf den Punkt zu bringen: Da ist was dran! Der Spruch "du isst wie ein Schwein" kommt einem hier manchmal schon wieder ins Gedächnis. Einerseits am Anfang sehr gewöhnungsbedürftig, andererseits gewöhnt man sich daran und ein Stück weit ist es auch nachvollziehbar, wenn man regelmäßig Knochen im Essen hat oder Nudelsuppen mit Stäbchen isst. Was jedoch immer noch ein wenig Kopfschütteln verursacht ist das Schmatzen und wie die Tische nach dem "Essen" aussehen: Wie ein Schlachtfeld! Was nicht schmeckt oder Knochen werden einfach ausgespuckt. Manche machen es gesittet, der Rest eher ungesittet. Wie dann so ein ungesitteter Tisch aussieht zeige ich euch noch die Tage.

Wir haben uns nun soweit darauf eingestellt, dass es Cereals mit Obst zum Frühstück gibt und wir eine Mensa (Am Northgate im kleinen Wäldchen) gefunden haben, in der der Koch wohl ein wenig sparsamer mit dem Öl umgeht. Klar hat man dann auch noch ein paar Restaurants wo man gerne mal hin geht, dass ist dann bei uns aber eher seltener der Fall. Allgemein ist das Essen hier aber sehr günstig. Wir zahlen im Schnitt um die 1,80 Euro für wirklich große Portionen und gehen Mittags und Abends immer essen. Trotzdem freut man sich aber wieder auf das gewohnte Essen…ohne Öl, Reis oder Nudeln und so zieht es uns dann auch gelegentlich mal in "westliche" Restaurants. Wer es gar nicht aushalten kann, dem kann ich nur die Bäckerei hier empfehlen: http://www.abendbrot.com.cn Wir haben uns dort erst einmal für Sonntag Brötchen und alles was das Herz begehrt bestellt. Die liefern euch die Sachen bis vor die Haustür und das nutzen wir auch erst einmal für ein richtiges Frühstück am Wochenende:)

Zu den Verkehrsregeln hatte ich ja bereits schon weiter unten ein wenig geschrieben. Gefühlt existieren keine und trotzdem funktioniert es. Nach einiger Zeit adaptiert man das System und fährt selbst ein wenig wie ein Verrückter durch die Gegend. Der beste Freund ist und bleibt dabei eine laute Hupe.

Allgemein sieht der Unialltag hier ein wenig entspannter aus als in Aachen. Die meisten Veranstaltungen werden als Blockveranstaltungen angeboten oder beinhalten eine Hausarbeit, sodass man das Arbeitspensum sehr gut über das Semester verteilen kann. Die Planung seitens der Uni ist hier jedoch sehr dynamisch. Veranstaltungen werden regelmäßig umgeplant, neue Kurse hinzugefügt und manche Klausurtermine haben wir bis jetzt immer noch nicht bekommen. Das Ganze ist eine kleine Wundertüte und was heute noch als fix gilt, wird morgen schon wieder geändert. Für einen selbst heisst das eigentlich nur lieber mit mehr Kursen planen, als mit zu wenigen. Dann hat man ein wenig Luft und kann sich Freiräume besser einplanen ohne Angst haben zu müssen, nicht ausreichend CP's gesammelt zu haben.

Neben der Uni hat man dann auch noch ausreichend Zeit, um mal über den Tellerrand zu schauen, am Studentenleben teilzunehmen und Shanghai zu genießen! Shanghai biete unzählige Möglichkeiten um etwas zu unternehmen. Langeweile kommt hier eigentlich nicht auf! Was das Thema Smog angeht, kann ich bis jetzt auch noch Entwarnung geben. Man kann es zwar nicht mit Deutschland vergleichen, aber so schlimm, dass man sich ernsthafte Gedanken machen muss, ist es bis jetzt noch nicht. Wenn man dann doch mal die Luftwerte checkt und die schon fast standardmäßig auf "unhealthy", dann ist es halt so. Allgemein fährt man hier eigentlich eine ganz gute Schiene, wenn man sich einfach so verhält, wie die Chinesen. Wenn alle anfangen würden Masken zu tragen, dann würde auch ich wohl anfangen mir Gedanken zu machen. So lange das aber nicht der Fall ist, geht das schon klar. Das gleiche gilt außerdem auch für Restaurants. Volle Restaurants zeugen meistens von guter Qualität und allgemein kann man alles essen, was die Chinesen auch essen…man muss halt nur nicht;) Trotzdem kann man es aber nicht vermeiden auch mal "unsauberes" Essen zu bekommen und all seine Nachwirkungen zu durchleben.

Dann kommt immer der Standardspruch: Welcome to China! It's all about experience! 

Allgemein sind die oben beschriebenen Sachen nicht negativ gemeint. Man kommt halt in eine fremde Kultur und die oben beschriebenen Sachen fallen einem am Anfang recht schnell auf. 

Ps: Die Fotos werden noch nachgeliefert;)

 

Nachtrag: Zwar mit ein wenig Verspätung, aber wie versprochen: die Fotos

Um halb zwölf ist es schon verhältnismäßig kuschelig Und dann beginnt die Qual der Wahl...das hier ist schon etwas teurer Studentenklasse...alles fritiert Und hier schwimmt es dann...und nein, es ist kein Wasser. Delicious

Einfach mal leckeres Rührei deutsche Art Der reinste Gaumenschmaus! Richtiges deutsches Brot! Aus dem Frühstück wurde dann auch eher ein Brunch Die komplette Bande. Eine super Truppe